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Selbstfürsorge

Vor dem Unfall Ihres Kindes hatten Sie bestimmte Erwartungen und möglicherweise konkrete Pläne für den Lebensabschnitt, in dem Sie sich gerade befinden. Der Unfall hat vieles verändert. Sie haben ein gesundes Kind verloren. Dieser Verlust ist sehr traurig und schmerzhaft. Gleichzeitig stellt der neue Alltag viele Anforderungen an Sie, die es Ihnen selten erlauben, innezuhalten und das Geschehene zu realisieren und anzunehmen.

Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen sind in einer solchen schwierigen Lebenssituation hilfreiche Eigenschaften, um erst einmal weiter zu funktionieren. Vergessen Sie darüber aber nicht die Verantwortung für Ihr eigenes Leben. Nur wenn Sie Ihr körperliches und seelisches Gleichgewicht beibehalten, können Sie die unerwarteten und schwerwiegenden Veränderungen aushalten und bewältigen.

 

Mein eigenes Leben — ein Balanceakt!

Wie lerne ich, auf mich achtzugeben? Kann ich Hilfe annehmen? Auf wen kann ich mich verlassen? Kann ich loslassen und Momente schaffen, in denen ich wieder zu mir selbst finde?

„Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie alleine lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, habe ich dich getragen.“

„Die Löwin zu sein für das eigene Kind fiel mir leichter, als für meine eigenen Dinge einzustehen. Es gab Zeiten, da habe ich meine eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahrnehmen können.“

Mutter mit einem schwer kranken Kind

Für Sie als Eltern ist es eine Selbstverständlichkeit beziehungsweise ein Bedürfnis, ganz für Ihr krankes Kind da zu sein. Von einem Moment zum anderen haben Sie Kräfte mobilisiert, Ihren Familienalltag neu organisiert, eigene Bedürfnisse hintangestellt und vieles mehr, um die neue Situation zu meistern. Eine Weile lang funktioniert das gut, aber auf Dauer?

Es liegt nahe, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse weiter hintanzustellen. Mit welchem Recht sehne ich mich nach Nähe, Wertschätzung, Liebe, Anerkennung im Beruf oder ausgleichenden Aktivitäten wie Sport, Freizeit und vielem mehr, wenn mein Kind schwer erkrankt ist? Solche oder ähnliche Fragen haben Sie sich vielleicht auch schon einmal gestellt.

Hinzu kommt, dass es kaum unverplante Zeit am Tag gibt. Betroffene Eltern berichten uns nicht selten von ihrer Verärgerung, wenn Angehörige, Freunde oder Ärzte ihnen gut gemeinte Ratschläge geben, dass sie bitte auf sich selbst achtgeben sollen. Sie fragen sich zu Recht, wann und wie sie dafür Zeit finden sollen.

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