Lumia Stiftung

Geschwisterkinder

Illustration Marlies Winkelheide
Marlies Winkelheide
  • Sozialwissenschaftlerin und seit 1976 in der Bildungsarbeit tätig, mit Menschen mit Behinderungen, mit Familien, mit Geschwisterkindern
  • zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema Geschwisterkinder
  • Begründerin der Geschwisterbücherei in Lilienthal bei Bremen (www.geschwisterbuecherei.de)

Marlies Winkelheide schildert, wie sie zum Thema Geschwisterkinder kam:

Mir war schon früh klar, als ich in der Bildungsarbeit mit Menschen mit Behinderung begann, dass wir die Familien dazu holen müssen. Wir haben dann Familienseminare angeboten. Irgendwann kamen die Eltern und sagten: „Macht doch etwas für die Geschwisterkinder. Die reden doch noch mal ganz anders, wenn wir nicht dabei sind.“

So begannen wir. Beim ersten Seminar 1982 hatten wir 21 Teilnehmer/-innen. Es war so spannend, dass wir seitdem Geschwisterseminare anbieten.

Ein weiterer Grund war, dass ich selbst Geschwisterkind bin. Als ich 18 war, haben wir fünf Kinder aus dem Krieg in Vietnam in unsere Familie aufgenommen. Diese Kinder waren schwer kriegsverletzt, hatten Behinderungen erlitten oder waren einfach nicht behandelt worden. Zwei der fünf Kinder starben, und die drei anderen sind nach einer kurzen Rückkehr nach Vietnam heute mit ihren leiblichen Eltern hier ganz in der Nähe meines Wohnortes ansässig.

Die drei sind auch jetzt noch meine Brüder. Einer hat eine Tetraplegie, einer ist durch eine Kinderlähmung beeinträchtigt und der dritte ist hörbehindert. Wir leben seit 45 Jahren als deutsch-vietnamesische Familie zusammen. Ich denke, das hat mich besonders offen für das Thema gemacht.

Selbstverständlich habe ich meinen persönlichen Hintergrund als Geschwisterkind therapeutisch begleitet reflektiert. Von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwarte ich ebenfalls, dass sie bereit sind, an ihrer Biografie zu arbeiten. Das muss aber nicht unbedingt ein therapeutischer Prozess sein.

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