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Hoffnung & Trauer

Bestehen solche Symptome auch noch oder erstmalig nach vielen Monaten oder Jahren oder treten sie sogar häufiger und stärker auf, ist das ein Hinweis darauf, dass das Erlebte noch nicht verarbeitet ist. Traumafolgen sind oft gut zu behandeln. Es gibt hier verschiedene therapeutische Methoden und unter Umständen sind sogar nur wenige Behandlungseinheiten nötig.

Manchmal können Symptome auch ohne eine Konfrontation – Erinnern und Wiederdurchleben – zum Teil oder vollständig gemildert werden. Die Kosten für eine Traumatherapie werden von der Krankenkasse übernommen. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit entsprechender Fachausbildung finden Sie zum Beispiel auf der Internetseite der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie:

Zur Verarbeitung einer traumatischen Erfahrung können auch körperliche Bewegung, Entspannungs- und Imaginationsübungen beitragen. Sie helfen, Anspannung abzubauen, sich aus der Erstarrung zu lösen und beim Umgang mit belastenden Bildern und Gefühlen. Mittlerweile gibt es eine umfangreiche Literatur zum Thema Trauma und Ratgeber für Betroffene. Eine kleine Auswahl von Titeln finden Sie ebenfalls unter www.degpt.de.

 

Über die Notwendigkeit zu wissen, dass ich nun eine Wunde habe:

Meine Wunde wird mein Leben lang bleiben, auch wenn sie sich verändert, besser oder nur schlecht verheilt oder zur Narbe wird. Sie wird mir immer wieder mal wehtun. Ich werde herausfinden, welches die richtige Salbe ist, und sie regelmäßig eincremen. Ich werde sie kennen und wissen, ob sie wetterfühlig ist. Ich werde mein Leben mit dieser Wunde planen.

Illustration Wunde
 

Uneindeutiger Verlust und Trauer

Bei Trauer und Verlust denken wir zuerst an den Tod uns nahestehender Menschen. Trauerprozesse finden aber häufig auch bei anderen Formen des Abschieds oder bei radikalen Veränderungen in unserem Leben statt. Nicht immer erkennen wir, dass wir da trauern „dürfen“ und dass Trauern eine angemessene Reaktion ist. Dies gilt zum Beispiel bei Formen des „uneindeutigen Verlusts“ – Mein Kind ist noch da, aber trotzdem auch weg –, bei dem die Verarbeitung erschwert wird.

Warum die Verarbeitung oder Bewältigung im Falle von „uneindeutigen Verlusten“ besonders schwerfällt, darüber haben wir mit der Trauerexpertin und Gründerin des Trauerinstituts Deutschland, Chris Paul, gesprochen:

Frau Paul, Trauer wird in unserer Kultur häufig mit dem Thema Tod assoziiert. Was kann Trauern für Familien bedeuten, deren Kind ein tragisches Ereignis, zum Beispiel einen Unfall, überlebt hat?

„Tatsächlich sehen wir Trauerprozesse sehr häufig nur im Anschluss an Verluste durch Tod. Dabei wissen wir heute, dass auch Verluste durch Trennungen – durch den Verlust von Lebenshoffnungen und Lebensperspektiven – tiefgreifende Trauerprozesse auslösen.

Familien, in denen ein Kind mit schweren Schädigungen ein tragisches Ereignis oder einen Unfall überlebt hat, sind häufig zunächst nicht mit einem eindeutigen Verlust konfrontiert. Zumindest in den ersten ein, zwei Jahren wissen die Eltern nicht: Ist das apallische Durchgangssyndrom – das Wachkoma – tatsächlich ein Durchgangszustand, an dessen Ende ein weitgehend gesundes Kind stehen wird, oder ist das ein Zustand, der über viele Jahre anhalten wird.

Das heißt, die Verluste, um die man trauern könnte, sind in den ersten Monaten und Jahren nicht klar definiert. Wir bezeichnen das als nicht gesicherte oder uneindeutige Verluste, um die man eigentlich nicht trauern kann, weil man immer noch auf Besserung wartet. Der Trauerprozess kann erst einsetzen, wenn ein Moment des Erkennens eintritt, dass etwas hier auch ein Stück unwiederbringlich vorbei ist.

Ich glaube, dass in den ersten ein, zwei Jahren auf jeden Fall Gefühle wie Traurigkeit, wie Wut, wie Sehnsucht nach dem vorherigen Zustand vorkommen. Ich glaube auch, dass es vielleicht möglich ist – im Rahmen all der Dinge, die man für die Versorgung des Kindes tun möchte und tun muss –, Räume zu finden, in denen diese Gefühle auch mal Zeit haben. Meiner Meinung nach setzen aber umfängliche Trauerprozesse erst dann ein, wenn die Familien eine größere Klarheit darüber haben, wie es mit dem Kind weitergeht.“

Illustration Trauer

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