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Hoffnung & Trauer

Schuldgedanken

Schuldgedanken können in vielfältiger Form auftreten. Bei Menschen, die tiefe Ohnmachtserfahrungen gemacht haben, nehmen sie manchmal den Weg gegen sich selbst.

Häufig treten im Anschluss an traumatische Erlebnisse Schuldgedanken auf. Die Schuldfrage bezieht sich dabei nicht nur auf das Bedürfnis herauszufinden, ob es einen juristisch Verantwortlichen für das Geschehene gibt und diese Person bereit ist, die Verantwortung anzuerkennen und zu übernehmen.

Angehörige von Menschen, die Verletzungen, Krankheit oder Tod erlitten haben, stellen sich darüber hinaus nicht selten die Frage, wie sie selber das schmerzhafte Ereignis hätten verhindern können. Dabei spielen die tatsächlichen Begebenheiten wie räumliche Nähe oder Einflussmöglichkeiten häufig überhaupt keine Rolle. Diese Schuldgedanken entstehen, weil wir in unserer Ohnmacht nach Erklärungen und Möglichkeiten zur (nachträglichen) Einflussnahme suchen.

Schuldzuweisungen können dazu beitragen, den Schmerz der Ohnmacht und der Realität nicht überwältigend werden zu lassen. Beschuldigt man sich selbst oder andere, kann man in Gedanken die Situation im Nachhinein veränderbar machen und das heißt, Macht über sie gewinnen. Sagt man „Hätte ich doch …“, räumt man damit die Möglichkeit ein, die Situation hätte sich durch eigenes Eingreifen verändern oder gar verhindern lassen.

Es ist wichtig, solche Gedanken und Äußerungen zu respektieren, sowohl bei sich selbst als auch bei anderen. Niemand lastet sich freiwillig Schuldgedanken und möglicherweise Bestrafungen an, dies geschieht immer aus großer seelischer Not. Schuldvorwürfe lassen sich nicht durch einen freundschaftlichen Rat oder eine Ent-Schuldigung von außen vertreiben. Dagegen kann es für die Betroffenen sehr hilfreich sein, wenn ihre Äußerungen ernst genommen werden.

Illustration Schuld

Vielleicht gelingt es Ihnen, Ihren eigenen Schuldgedanken oder denen Ihrer Mitmenschen mit einer ernsten Neugier, mit einem Interesse zu begegnen:

  • Ich habe gehört, welche Gedanken dir durch den Kopf gehen.
  • Was glaubst du, wie lange wirst du diese Gedanken noch haben?
  • Was macht dieser Gedanke mit deinem Leben?

Schuldgedanken erschweren die Trauer. Sie können über einen längeren Zeitraum zusätzlich unangenehme Gefühle verursachen und zum Teil mit harten Strafen gegen sich selbst einhergehen. Wenn Sie solche Gedanken bei sich beobachten und den Wunsch haben, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, ist dies auch im Rahmen von Psychotherapie oder Trauerarbeit möglich.

Illustration Geschwister

Hinweis:
Kinder sind hier die Ausnahme. Für sie sind Schuldgedanken keine hilfreiche Konstruktion beziehungsweise sie sind von einigen dieser Gedanken gut zu entlasten. Sie benötigen die kraftvolle und beruhigende Aussage von erwachsenen Autoritätspersonen: „Du trägst keine Verantwortung an der Krankheit deines Bruders oder deiner Schwester.“ Geben Sie dem Kind im Anschluss eine alternative Erklärung für das Geschehene.

Weiterführende Informationen finden Sie auch unter „Geschwisterkinder“ und im Buch „Schuld – Macht – Sinn“ von Chris Paul.

„Schuldvorwürfe gegen sich selbst sind ein wichtiger Überlebensmechanismus, den nur Menschen wählen, die sich durch ein Ereignis in ihrem Leben und ihrer Identität bedroht sehen. […] Diese Bedrohung wird immer subjektiv empfunden und kann nicht von außen beurteilt werden!“

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