Lumia Stiftung

Hoffnung & Trauer

Wenn Sie Ihre guten Gründe hinter einem möglicherweise schädlichen Verhalten kennen, lässt sich der Kreislauf von Handlung und Verurteilung unterbrechen, und ein positiver Umgang mit sich selbst kann eingeläutet oder ausgebaut werden. Das wiederum erzeugt angenehme Gefühle und baut Druck ab. Ihre guten Gründe für ein Verhalten sind nichts anderes als Hinweise auf Ihr eigentliches Bedürfnis. Nicht immer wählen Menschen die beste Strategie, um Ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Wenn Sie erst einmal Ihr Bedürfnis erkannt haben, haben Sie gute Voraussetzungen zu überlegen, mit welcher anderen, möglicherweise risikoärmeren Strategie Sie es sich ebenso erfüllen könnten.

In der folgenden Liste nennen wir einige konkrete Beispiele für Strategien, die als nicht hilfreich gelten, und mögliche Bedürfnisse beziehungsweise Erklärungsansätze, die dahinterstehen:

  • Grübeln
    (zum Beispiel Suche nach Sinn, Orientierung …)
  • Gewalt und übermäßige Wut
    (zum Beispiel Spannungsabbau …)
  • Alkohol und andere Drogen oder Medikamente
    (zum Beispiel Entspannung, Schmerzfreiheit …)
  • Überzeugungen, was man „muss“ und „soll“
    (zum Beispiel Orientierung …)
  • Soziale Isolation/Rückzug von Freunden und Familie
    (zum Beispiel Schutz vor aufwallenden Gefühlen und der Konfrontation mit Fragen)
  • Übermäßige Strenge mit sich selbst
    (kann ein Hinweis auf Schuldgedanken sein)

Sollten Sie beobachten, dass Sie Verhaltensweisen zeigen, die keine guten Auswirkungen auf Sie selbst und andere haben, verurteilen Sie sich bitte nicht. Gehen Sie verständnisvoll mit sich um! Machen Sie sich mit Ihren guten Gründen für dieses Verhalten vertraut und überlegen Sie, ob Sie die schädigende gegen eine hilfreichere Strategie austauschen möchten. Beim Austausch kann eine Therapie und Beratung Sie unterstützen.

Illustration

Was hilft?

Um große Anforderungen zu bestehen, kann jeder Mensch Kräfte und Hilfe gebrauchen. Sie liegen in einem selbst, im Umfeld und in unserer Solidargemeinschaft, der Gesellschaft.

Jeder von uns ist in der Lage, sich ein Stück weit selbst zu helfen, wenn es darum geht, außergewöhnlichen Belastungen standzuhalten. Jeder Mensch verfügt über eine Vielzahl von einzigartigen Ressourcen. Ein Blick auf die eigenen Stärken, Fähigkeiten und fördernden Umweltbedingungen gibt Kraft und ermöglicht uns, sie zu nutzen. Hiermit können wir bereits immense Anforderungen bestehen.

Illustration - Innere und äußere Ressourcen

Der Mensch mit seinen inneren und äußeren Ressourcen (Beispiele)

Darüber hinaus gibt es Hilfe, die wir selbst initiieren oder von außen in Anspruch nehmen können. Wir wissen, spüren und erkennen selbst am besten, welche Hilfe für uns und unsere Situation die passende ist.

Im Prozess, uns selbst und unsere Situation mit all ihren Besonderheiten zu verstehen, kann es auch hilfreich sein, von Menschen mit ähnlichen Schicksalen zu erfahren. Aus ihren Geschichten können wir Anregungen im Umgang mit unserer Situation entnehmen und Informationen über passende Hilfsangebote und -möglichkeiten zusammentragen. Konkrete Hilfe kann viele verschiedene Formen haben, von denen wir hier einige nennen wollen.

  • In Gesprächen mit anderen Unterstützung erfahren
  • Tagebuch schreiben
  • Für ausreichend Schlaf und gesunde Mahlzeiten sorgen
  • Angenehme Aktivitäten in den Tagesablauf einplanen
  • Entspannungsmethoden anwenden
  • Pausen einlegen
  • Für gemäßigte körperliche Bewegung sorgen
  • Kraft in Ritualen, Spiritualität, Glaube und Hoffnung finden
Illustration Hilfsangebote
  • Information suchen
    Broschüren, Bücher und Erfahrungsberichte helfen, das Erlebte einzuordnen.
  • Trauerarbeit / Seelsorge
    Ausgebildete Trauerbegleiter helfen auf verschiedenen Wegen, den Verlust zu begreifen, der eigenen Trauer zu begegnen und neue Lebensperspektiven zu entwickeln.
  • Selbsthilfegruppen / Angehörigentreffen
    Der Austausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wird oft als sehr hilfreich empfunden. Es gibt viele Verbände und Organisationen, die sich zum Thema Menschen mit schweren erworbenen Hirnschädigungen engagieren. Sie bieten häufig auch Selbsthilfegruppen oder Angehörigentreffen an. Geeignete Suchbegriffe für Ihre Recherche sind etwa:
    • Schädel-Hirnpatienten in Not
    • Forum Gehirn
    • ZNS Hannelore Kohl Stiftung
    • Lumia Stiftung
    • Intensivkinder Zuhause
    • Wachkoma-Pflegeeinrichtungen
    • die Zeitschriften „not“ oder „Wachkoma“
    • Selbsthilfegruppen für Menschen mit traumatischen Erfahrungen
    • Trauerselbsthilfegruppen
    Auch in Internetforen kann Austausch mit anderen Betroffenen stattfinden.
  • Beratung
    Informationen über Beratungsmöglichkeiten stellt Ihre Stadt oder Ihr Landkreis bereit. Auch Kirchen, Wohlfahrtsverbände und freie Träger sind Anbieter solcher Beratungsstellen. Unter dem Suchbegriff „psychosoziale Beratung“ sollten Sie die Angebote in Ihrer Nähe finden. Oder fragen Sie in der Beratung nach geeigneten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten oder Traumakompetenz. Häufig ist die Beratung kostenlos; in therapieähnlichen längeren Begleitungen können manchmal Kosten entstehen.
  • Familienberatung
    Unsere Familienstrukturen und -beziehungen werden in schmerzhaften und anstrengenden Zeiten besonders gefordert. Damit es nicht zu Überforderung kommt, kann eine Beratung für das Team Familie sich als hilfreich erweisen. Angebote finden Sie bei Interesse unter den Suchbegriffen „systemische Beratung“ oder „Familienberatung“.
  • Psychotherapie
    Psychotherapiepraxen gibt es in vielfältiger Form und Ausrichtung. Psychotherapie als Leistung der Krankenversicherungen finden Sie am besten unter den Suchbegriffen „Psychologische Psychotherapeuten“. Psychotherapie nach Heilpraktikergesetz (HP oder HG) ist nicht immer, aber häufig eine Selbstzahlerleistung. Bei der Suche kann der Begriff „Trauma“ hilfreich sein. Allgemein ist mit Wartezeiten zu rechnen.

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