Lumia Stiftung

Selbstfürsorge

Nett zu sich sein

Je mehr Sie Ihre neue Lebenssituation annehmen können, desto eher spüren Sie wieder eigene Bedürfnisse und fühlen sich bereit, sich diese zu erfüllen. Sind es Dinge, die Ihnen auch früher Freude bereitet und Sie im Alltag entlastet haben? Vielleicht haben sich Ihre Interessen aber auch verändert und Sie wenden sich neuen Beschäftigungen zu.

Als Eltern mit einem pflegebedürftigen Kind befinden Sie sich im Dauereinsatz. Umso mehr ist eine gute Planung des Pflegealltags erforderlich, um sich für eigene Bedürfnisse Freiräume – und seien es auch noch so kleine – zu schaffen. Hilfreich dabei: Sie haben Anspruch auf verschiedene gesetzliche Leistungen, die wir Ihnen im Heft „Langzeitentlastung“ vorstellen. Denken Sie darüber hinaus an die Möglichkeit, neben Familienmitgliedern auch Nachbarn oder Freunde in Ihre Entlastung mit einzubeziehen.

„Ich lese ihr vor, spreche mit ihr, massiere sie. Und inzwischen habe ich gelernt, dass ich auch einfach bei ihr sein kann und etwas für mich lesen kann. Einfach nur für mich. Simone hört Hörbücher oder hört die Bücher, die ich nicht mehr nur für sie, sondern auch für mich aussuche.“

Mutter einer erwachsenen Tochter mit schwerster Hirnschädigung

Im stressigen Alltag sind sogar Selbstverständlichkeiten wie regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und Kontakt zu nahestehenden Menschen alles andere als selbstverständlich. Wir beraten Sie gerne, wie Sie Ihren Alltag gestalten können, um sich diese grundlegenden Dinge zuverlässig zu ermöglichen.

Vermutlich werden Sie selten Zeit für ausgiebige Freizeitaktivitäten finden. Daher ist es wichtig, jede noch so kleine Gelegenheit, die sich ergibt, auch zu ergreifen, wie etwa den Besuch der Oma beim Kind. Wenn Sie Lust verspüren, solche Momente aktiv zu nutzen, können Sie vielleicht Ihrem Hobby nachgehen wie Musizieren, Handwerkern, Handarbeiten, Lesen oder Kochen. Dinge, die Ihnen Freude bereiten, ohne Sie an feste auswärtige Termine in der Woche zu binden. Oder Sie nutzen die Zeit ganz bewusst, um sich einfach mal auszuruhen.

„Ich gehe jetzt neuerdings tanzen. Tango! Das tut mir gut, richtig gut. Und es ist mal was anderes als Arbeit und hier. Und das ziehe ich auch durch, hat ein bisschen gedauert. Das gebe ich aber nicht mehr her.“

Mutter eines fünfjährigen Sohnes mit schwerster Hirnschädigung im Frühjahr 2015

Unser Tipp:

Vielleicht können Sie mit der Oma einen festen Nachmittag in der Woche für einen Besuch bei Ihrem Enkelkind vereinbaren. Auch wenn es nur zwei Stunden sind, können Sie die Zeit fest einplanen und sich darauf freuen.

Wenn Sie einmal einen Abend oder einen halben Tag zur freien Verfügung haben, gestalten Sie die knappe Zeit ausschließlich nach Ihren eigenen Wünschen. Wenn Sie Angebote für gemeinsame Unternehmungen bekommen und Sie spüren, dass es sich wie eine weitere Verpflichtung in Ihrem ohnehin sehr gebundenen Alltag anfühlt, zögern Sie nicht, ehrlich zu sein und abzulehnen, selbst wenn das manchmal viel Mut erfordert. Setzen Sie sich bitte nicht unter Druck, dass Sie die Zeit nach dem Ermessen anderer „sinnvoll“ nutzen müssen.

Wenn Sie zu Ihrem Kind zurückkehren und spüren, wie wohltuend die vergangenen Stunden für Sie waren und dass Sie sich für Ihre Aufgaben gestärkt fühlen, haben Sie genau das Richtige getan – was auch immer es war.

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