Lumia Stiftung

Selbstfürsorge

Nett zu sich sein

Je mehr Sie Ihre neue Lebenssituation annehmen können, desto eher spüren Sie wieder eigene Bedürfnisse und fühlen sich bereit, sich diese zu erfüllen. Sind es Dinge, die Ihnen auch früher Freude bereitet und Sie im Alltag entlastet haben? Vielleicht haben sich Ihre Interessen aber auch verändert und Sie wenden sich neuen Beschäftigungen zu.

„Ich lese ihr vor, spreche mit ihr, massiere sie. Und inzwischen habe ich gelernt, dass ich auch einfach bei ihr sein kann und etwas für mich lesen kann. Einfach nur für mich. Simone hört Hörbücher oder hört die Bücher, die ich nicht mehr nur für sie, sondern auch für mich aussuche.“

Mutter einer erwachsenen Tochter mit schwerster Hirnschädigung

„Um Durchhalten zu können, bedarf es der Sorge um sich selbst […]. Zu den häufigsten Strategien zur Gesunderhaltung gehören Bewegung und Entspannung […].“

 

Aber auch das Treffen mit anderen, um beispielsweise gemeinsam ein Hobby auszuüben, hat für viele eine enorme Bedeutung und kann ein positiver und kraftspendender Anker im Pflegealltag sein.

Darüber hinaus gibt es noch viele individuelle Strategien, um auf sich selbst Acht zu geben und sein körperliches und seelisches Wohlbefinden zu erhalten und zu fördern. Jeder und Jede findet hier eigene Wege. Manchmal lohnt es sich auch Neues auszuprobieren.

„Ich gehe jetzt neuerdings tanzen. Tango! Das tut mir gut, richtig gut. Und es ist mal was anderes als Arbeit und hier. Und das ziehe ich auch durch, hat ein bisschen gedauert. Das gebe ich aber nicht mehr her.“

Mutter eines fünfjährigen Sohnes mit schwerster Hirnschädigung im Frühjahr 2015

Unser Tipp:

Vielleicht können Sie mit der Oma einen festen Nachmittag in der Woche für einen Besuch bei Ihrem Enkelkind vereinbaren. Auch wenn es nur zwei Stunden sind, können Sie die Zeit fest einplanen und sich darauf freuen.

Wenn Sie einmal einen Abend oder einen halben Tag zur freien Verfügung haben, gestalten Sie die knappe Zeit ausschließlich nach Ihren eigenen Wünschen. Wenn Sie Angebote für gemeinsame Unternehmungen bekommen und Sie spüren, dass es sich wie eine weitere Verpflichtung in Ihrem ohnehin sehr gebundenen Alltag anfühlt, zögern Sie nicht, ehrlich zu sein und abzulehnen, selbst wenn das manchmal viel Mut erfordert. Setzen Sie sich bitte nicht unter Druck, dass Sie die Zeit nach dem Ermessen anderer „sinnvoll“ nutzen müssen.

Wenn Sie zu Ihrem Kind zurückkehren und spüren, wie wohltuend die vergangenen Stunden für Sie waren und dass Sie sich für Ihre Aufgaben gestärkt fühlen, haben Sie genau das Richtige getan – was auch immer es war.

Nächste Seite Mein eigenes Leben — ein Balanceakt! (Fortsetzung)