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Selbstfürsorge

Es ist eine große Herausforderung, sich im Alltag Auszeiten zu schaffen. Es gibt vielleicht auch Zeiten, in denen es Ihnen entweder nicht gelingt oder Sie es schlicht nicht wollen. Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken, fällt vielen Menschen schwer – unabhängig von ihrer jeweiligen Lebenssituation.

Und dennoch möchten wir Sie ermutigen, den Versuch zu unternehmen, da Ihre neue Lebenssituation Ihnen sehr viel abverlangt. Es wird Ihnen trotz guter Absichten nicht immer gelingen, Auszeiten von der Pflege zu nehmen. Aber die Erfahrung, dass dies wohltuend und entlastend ist, kann Ihnen helfen, den Vorsatz immer wieder neu zu fassen.

Um sich einen Moment guten Gewissens für sich selbst Zeit zu nehmen, sind oft zahlreiche organisatorische Vorbereitungen vonnöten. Es braucht aber auch – und vor allem – eine innere Bereitschaft, die Versorgung Ihres Kindes vorübergehend in andere Hände zu geben und sich einen persönlichen Freiraum zuzugestehen. Nach unserer Erfahrung kann es ein langer und schwieriger Weg für Eltern sein, sich diese Bereitschaft zu erarbeiten.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Akzeptanz der schweren Erkrankung Ihres Kindes und Ihrer sich daraus ergebenden neuen Lebenssituation. Es kann somit immer wieder Momente oder Phasen geben, in denen Sie gar nichts anderes wollen, als nah bei Ihrem Kind zu sein und es selbst zu versorgen. Das ist gut nachvollziehbar. Dennoch möchten wir Sie ermutigen, diese Phasen immer mal zu unterbrechen. Gehen Sie behutsam vor und nehmen Sie sich zunächst nur einen kurzen Moment, vielleicht bei einer Tasse Kaffee an Ihrem Lieblingsplatz in Ihrer Wohnung.

Hilfe annehmen und sich verlassen können

Angehörige, Freunde und Nachbarn möchten gerne helfen, wissen aber möglicherweise nicht, wie sie sich Ihnen gegenüber verhalten sollen. Vielleicht fällt es auch Ihnen nicht leicht, jemanden um konkrete Unterstützung zu bitten. Wir möchten Sie aber in dem Vorsatz dazu ausdrücklich bestärken.

Hilfe annehmen

Vielleicht kennen Sie die Situation: Obwohl Sie vor lauter Aufgaben und Pflichten kaum noch wissen, wo Sie anfangen sollen, nehmen Sie Hilfsangebote nicht an, weil Ihnen Ideen fehlen, wo Sie Unterstützung brauchen. Denken Sie an die alltäglichen Dinge, die – unabhängig von der Erkrankung Ihres Kindes – erledigt werden müssen. Je konkreter Sie um Hilfe bitten, desto größer ist die Entlastung.

Hier ein paar Tipps:

  • Ihr Nachbar mäht regelmäßig Ihren Rasen.
  • Ihre Tante kocht hin und wieder für Sie mit.
  • Ein befreundeter Vater bringt Ihr jüngeres Kind gemeinsam mit seinem eigenen morgens zur Schule.
  • Ihre Nachbarin putzt bei Ihnen die Fenster.
  • Ihre Freundin bringt Ihnen Obst und Gemüse vom Markt mit.
  • Ihr Bruder erledigt Ihren Schriftverkehr.

Sie werden feststellen, wie dankbar andere sind, wenn sie ganz konkret helfen können!

Illustration Unterstützung

An dieser Stelle möchten wir ein besonderes Augenmerk auf die Aufgabenverteilung innerhalb der Familie legen und insbesondere Mütter ansprechen, die in einer Partnerschaft leben, aber nahezu allein die Pflege, Betreuung und Versorgung ihres Kindes übernehmen.

Womöglich haben Sie die Aufgabenbereiche so aufgeteilt, dass Sie als Vater weiterhin Ihrem Beruf nachgehen und so die finanzielle Absicherung übernehmen und Sie als Mutter hauptverantwortlich für Ihr Kind da sind. Diese Aufteilung begegnet uns sehr häufig und es gibt viele gute Gründe für eine solche Entscheidung. Gleichzeitig kann es hilfreich sein, hin und wieder (Teil-) Aufgaben abzugeben und sich auf diese Weise Entlastung innerhalb der Partnerschaft zu ermöglichen.

„Insbesondere in der Anfangszeit werden die Väter nicht selten von der Versorgung des Kindes befreit. […] Erst im Laufe der Zeit wird ihnen [den Müttern] klar, dass sie damit den Vätern signalisieren, dass diese sich um die Versorgung des Kindes nicht kümmern müssen. Um jedoch Entlastung vom Partner zu erhalten, müssen sie akzeptieren, dass dieser die Dinge unter Umständen anders macht als sie selbst.“ 

Als Eltern mit einem pflegebedürftigen Kind befinden Sie sich im Dauereinsatz. Umso mehr ist eine gute Planung des Pflegealltags erforderlich, um sich für eigene Bedürfnisse Freiräume – und seien es auch noch so kleine – zu schaffen. Hilfreich dabei: Sie haben Anspruch auf verschiedene gesetzliche Leistungen, die wir Ihnen im Heft „Langzeitentlastung“ vorstellen. Denken Sie darüber hinaus an die Möglichkeit, neben Familienmitgliedern auch Nachbarn oder Freunde in Ihre Entlastung mit einzubeziehen.

„Bekannte kommen und gehen,
Freunde bleiben.“

Sie werden eventuell erleben, dass sich Menschen aus Ihrem Leben zurückziehen, von denen Sie es nie erwartet hätten. Eine solche Erfahrung ist verletzend und enttäuschend. Der Kreis von nahestehenden Menschen, denen Sie vertrauen und auf die Sie sich verlassen können, wird kleiner.

Diejenigen, die nach wie vor an Ihrer Seite stehen, sind wirklich gute Freunde, die Ihnen bei der Bewältigung Ihrer neuen Lebenssituation viel Kraft geben können.

Ein guter Freund oder eine gute Freundin wird

  • Sie zeitlich entlasten,
  • einfach da sein,
  • ein guter Gesprächspartner sein,
  • Sie liebevoll umsorgen,
  • mit Ihnen gemeinsam Ihre Gefühle aushalten,
  • Sie schweigend verstehen

und vielleicht einiges mehr, wenn Sie es zulassen.

 

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