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Selbstfürsorge

Loslassen und Losgehen

Es gibt nicht den einen richtigen Weg, eine schwierige Lebenssituation zu bewältigen. Jeder Einzelne muss für sich herausfinden, was für ihn gut ist. Häufig besteht die Angst, sich mit schmerzhaften Gefühlen wie Kummer, Leere, Machtlosigkeit, Wut, Scham und Verzweiflung zu beschäftigen. Wir möchten Sie dennoch ermutigen, Ihre Gefühle zuzulassen. Die plötzliche Erkrankung Ihres Kindes ist ein schwerwiegender Einschnitt auch in Ihrem Leben. Es kann befreiend sein und Ihre Seele entlasten, wenn Sie sich mit Ihren Gefühlen auseinandersetzen und darüber sprechen. Wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, können Sie jedoch nur selbst herausfinden.

Es gibt verschiedene hilfreiche Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken. Wenn Sie Ihre Gefühle einem Tagebuch anvertrauen möchten, kann das Ihnen helfen, sich zu sortieren und Ihren Schmerz zu formulieren. Auch kreatives Malen kann hilfreich sein, um Ihren Gefühlen und dem eigentlich Unbeschreiblichen, das Ihr Leben und das Ihres Kindes so sehr verändert hat, Ausdruck zu verleihen. Aber auch liebgewonnene Gewohnheiten und Hobbys wie handwerkliches Arbeiten oder Ausdauersport bieten Gelegenheit, mit sich in Kontakt zu kommen und den Gedanken freien Lauf zu lassen.

Illustration Loslassen und Losgehen

Vielleicht haben Sie den Wunsch, sich mit anderen Familien auszutauschen, die sich in einer vergleichbaren Situation befinden. Wer könnte mehr Verständnis für Ihre Situation aufbringen als jemand, der Ähnliches durchmacht?

Es kann sehr wohltuend sein, Gemeinsamkeiten mit anderen Menschen zu entdecken, sich über Erfahrungen auszutauschen und vielleicht voneinander lernen zu können. Es kann auch bereichernd für Sie sein, Ihre eigenen Erfahrungen an andere weiterzugeben.

Selbsthilfegruppen und Angebote, die gezielt für Eltern von pflegebedürftigen Kindern/ Kindern mit Behinderung ausgerichtet sind (in Form von Tages-/oder Wochenendseminaren) können eine tolle Form der Entlastung und des Ausgleichs darstellen.

Selbsthilfeverbände und Vereine wie beispielsweise der Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte (bvkm e.V.) und Philipp Julius e.V. bieten speziell ausgerichtete Mütter- und Väterwochenenden an:
www.philip-julius.de
www.bvkm.de

Vielleicht lässt Sie der organisatorische Aufwand davor zurückschrecken, an so einer Veranstaltung teilzunehmen. Wir möchten Sie dazu ermutigen, es vielleicht einmal auszuprobieren. Die Rückmeldungen vieler Eltern sind voller Begeisterung.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre seelische Belastung Sie bei der Bewältigung Ihres Alltags auf Dauer einschränkt, möchten wir Sie ermutigen, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eventuell beobachten Sie an sich selbst, dass Sie sich nichts Gutes tun können, weil es Ihrem Kind nicht gutgeht. Diese Problemsituation kann nur mit professioneller Hilfe aufgelöst werden, damit Sie sich selbst guten Gewissens etwas erlauben können – eine Voraussetzung, um auf Dauer gesund zu bleiben.

In einer psychotherapeutischen Behandlung haben Sie die Möglichkeit, alle Sorgen, Ängste und negativen Gefühle unbefangen zu äußern, Gedanken frei zu entwickeln und einen stimmigen Weg für sich zu finden. Für Sie selbst und für die Beziehung zu Ihrem kranken Kind und auch zu anderen Familienmitgliedern kann dies eine unschätzbare Entlastung bedeuten.

Unser Tipp:

Leider haben Psychotherapeuten, die von der Krankenkasse bezahlt werden, oft lange Wartelisten. Wenn Sie Hilfe bei der Suche benötigen, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.

Auch im Internet können Sie persönliche Unterstützung in Form einer psychologischen Online-Beratung erhalten. Die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Seite www.pflegen-und-leben.de bietet eine kostenfreie und datensichere Online-Beratung durch erfahrene Psychologinnen und Psychologen für pflegende Angehörige.

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