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Schwerste erworbene Hirnschädigungen und Wachkoma

Textauszug i

Aufgrund der schweren Hirnschädigung ist der Betroffene im Akutstadium tief komatös und muss beatmet werden. Beim Erwachen aus dem tiefen akuten Koma zeigen sich dann drei bis vier Wochen nach dem schädigenden Ereignis folgende charakteristische Symptome des Wachkomas (Multi Society Task Force on PVS 1994):

  • Spontanatmung, Herz-Kreislauf-Tätigkeit ohne lebenserhaltende Apparate, vegetative Dysregulation mit erhöhtem Blutdruck, erhöhter Herz- und Atemfrequenz, Schweißausbrüchen und vermehrtem Speichelfluss
  • Erschöpfungs- oder tageszeitlicher Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Geöffnete Augen während Wachphasen, der Blick geht jedoch anfänglich ins Leere oder wandert ohne zu fixieren
  • Keine von außen sichtbaren sinnvollen Reaktionen auf Berührung oder Ansprache, kein Befolgen von Aufforderungen, keine von außen erkennbaren emotionalen Reaktionen bei Besuchen von Angehörigen
  • Keine von außen erkennbaren zielgerichteten Bewegungen oder absichtsvolle Versuche der Kontaktaufnahme
  • Erhaltene motorische Primitivreaktionen und Schablonen wie Schmatz- und Kaubewegungen (orale Automatismen)
  • Erhöhter Muskeltonus mit zunehmender Spastik und Gefahr von Gelenkfehlstellungen, Kontrakturen und Wundliegen (Dekubitus)

 

Illustration Definition Wachkoma

Auch im Wachkoma kann durchaus ein Bewusstsein vorliegen, ohne dass Angehörige oder Ärzte dies erkennen können. Der vom Wachkoma Betroffene muss als menschliches Individuum wahrgenommen werden und darf nicht zum Objekt gemacht oder aus der Betrachtung ausgeschlossen werden.

Seit einigen Jahren verstärkt sich die Sichtweise auf die noch vorhandenen individuellen Fähigkeiten beim Wachkoma statt auf die fehlenden, so dass sich eine andere Einstellung gegenüber Menschen im Wachkoma entwickelt hat.

In Gesprächen mit behandelnden Ärzten stellen Eltern jedoch unter Umständen fest, dass es unter Medizinern nach wie vor sehr unterschiedliche Sichtweisen gibt.

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