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Schwerste erworbene Hirnschädigungen und Wachkoma

Diagnose

Die genaue Diagnose eines Wachkomas ist bis heute schwierig. Es werden verschiedene Verfahren und Untersuchungsmethoden eingesetzt, um Fehldiagnosen zu vermeiden.

„Festzustellen ob ein Patient nun apallisch ist oder ein Minimalbewusstsein erlebt, verlangt, neben einem hohen Maß an Erfahrung im Umgang und der Beobachtung von Menschen im Wachkoma, wiederholte ärztliche Untersuchungen. (…) Für eine klare Diagnosestellung wird letztendlich auch die differentialdiagnostische Abgrenzung zu ähnlichen Krankheitsbildern benötigt.“

Die Diagnose eines Wachkomas erfolgt häufig einige Zeit nach dem auslösenden Ereignis. Der Patient durchläuft je nach Art der Schädigung zunächst eine Phase des Komas oder „künstlichen“, durch Medikamente erzeugten Komas, die unterschiedlich lang andauern kann. Daraufhin kann ein Wachkoma von stark unterschiedlicher Dauer folgen. Zu diesem Zeitpunkt kann erstmalig die Diagnose eines Wachkomas erfolgen und ist, wie zu jedem späteren Zeitpunkt auch, eine Momentaufnahme

Um diese Diagnose stellen zu können, bedarf es unter anderem einer Überprüfung der charakteristischen Merkmale dieses Krankheitsbildes, wie sie auf der vorherigen Seite beschrieben sind. Des Weiteren bedarf es einer genauen Abgrenzung zu ähnlichen Krankheitsbildern, der sogenannten Differentialdiagnose (siehe unten).

Um im weiteren Verlauf Fortschritte – die sogenannte Remission - einschätzen und objektivierbar messen zu können, sind in den vergangenen Jahrzehnten Skalen und Einschätzungsinstrumente entwickelt worden. Mit Hilfe dieser wird dann der Verlauf während der Zeit der Rehabilitation beobachtet, es werden auch immer wieder Prognosen bezüglich des zu erwartenden Erholungsverlaufs gestellt, die sich im Verlauf der Rehabilitation durchaus erheblich ändern können. Die Phasen der Remission und Instrumente zu ihrer Einschätzung stellen wir Ihnen im Kapitel Entwicklung und Verlauf vor.

Illustration Diagnose Wachkoma
Erscheinungsbilder, die vom Wachkoma abzugrenzen sind:
 

Koma
Der Begriff Koma kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „tiefer Schlaf“. In diesem Zustand können Menschen nicht aufgeweckt werden. Beim Koma ist die Großhirnfunktion schwer beeinträchtigt. Es gibt verschiedene Komaphasen und -tiefen. Zur Schonung des Organismus können Menschen auch in ein künstliches Koma versetzt werden.

Künstliches Koma

Ein künstliches Koma ist ein Zustand, der medikamentös eingeleitet wird (Langzeitnarkose), wenn der Körper entlastet werden soll. Während des künstlichen Komas ist der Patient auf der Intensivstation und wird künstlich beatmet. Alle wichtigen Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck etc. werden rund um die Uhr überwacht. Ein künstliches Koma kann im Unterschied zum natürlichen Koma jederzeit wieder beendet werden.

Locked-in-Syndrom


Übersetzt bedeutet Locked-in „eingeschlossen sein“. Das Locked-in-Syndrom ähnelt dem Wachkoma vom äußeren Erscheinungsbild des Patienten. Der Patient hat mehr oder weniger vollständig die Kontrolle über seine Bewegungen verloren. Der entscheidende Unterschied ist, dass das Bewusstsein und die geistigen Fähigkeiten im Locked-in-Syndrom erhalten sind und der Patient vieles wahrnimmt, sich jedoch nicht äußern kann. Es bedarf einer sehr genauen Diagnose, damit es nicht zur Verwechslung von Locked-in-Syndrom und Wachkoma kommt. Wenn das Locked-in-Syndrom diagnostiziert ist, kann meist ein Kommunikationsaufbau erfolgen, zum Beispiel über noch mögliche Augen- oder Lidbewegungen erfolgen.

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